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![]() Erlebnisbericht MGHvon Katja BadenMein erster Tag im Mehrgenerationen- Haus war genauso wie ich mir das Leben dort vorstellte. Um neun Uhr ging es los, ich wurde geschätzten 50 Leuten vorgestellt, habe mir keinen einzigen Namen gemerkt und wurde direkt zum Kartoffeln schälen geschickt. Es war Donnerstag, es wurde gekocht und ich war vollkommen überfordert. Als alle hungrigen Mäulchen versorgt waren, hatte ich das erste Mal das Gefühl, durchatmen zu können und nahm mir die Zeit, die Menschen genauer anzusehen. So viele niedliche Omas und Opas, wie sie da saßen und aßen und nach mehr Essen verlangten! Das machte mich glücklich, weil ich mir meine eigene Oma so gut unter all jenen vorstellen konnte. Von diesem Moment fing ich an, WIRKLICH zu verstehen, weshalb das Mehrgenerationenhaus eine so gute Sache ist. Nachmittags lernte ich Susi, die Berufsberaterin kennen. Sie stammt aus Halle und ich freute mich, das war immerhin nicht ganz so weit von zu Hause weg. Dann war der erste Tag auch rum, ich kam nach Hause und sank ins Koma und schlief gesunde elf Stunden. Am nächsten Tag um neun Uhr stand ich wieder auf der Matte. Nun hieß es Storchencafé. Ich sah Babys und ihre Eltern, die all diese kleinen Wesen vernarrt anstarrten. Ich sah, wie alle tolerant und liebevoll miteinander umgingen, wie sich Mütter gegenseitig Tipps gaben und bemerkte wie sehr ich das genoss. Nachmittags lernte ich Herrn Braun kennen, welcher hier den Dreiklang leitet und tapfer den ersten von mir gebackenen Kuchen hinunterzwängte. Auch mit ihm konnte ich mich gut und gesittet unterhalten. Die darauffolgenden Wochen waren so vielseitig, dass man es sich kaum vorstellen kann. Die Menschen kommen, trinken Kaffee, unterhalten sich und genießen die interpersonale Wärme, welche im Haus herrscht. Kinder strömen zu dem Erzählopa, wie die Kinder zum Rattenfänger von Hameln, wenn er seine Klangschale erklingen lässt und lauschen aufmerksam seinen Geschichten mit weit aufgerissenen Augen. Hier werden ihnen Märchen und Geschichten wie früher erzählt, in Zeiten, in denen Handys und Computer noch kein fester Bestandteil eines Jeden waren. Im Erzählcafé hatte ich die Möglichkeit, meine Geschichte zum Thema „Mit Musik geht alles leichter“ zu erzählen. Erst war ich etwas zurückhaltend, da ich die Jüngste in der Runde war und mit Abstand nicht so viel erlebt hatte wie alle anderen. Aber ich wurde freundlich aufgenommen und war positiv überrascht, nicht unterbrochen zu werden. Ich freute mich, dass alle Interesse an meiner Geschichte zeigten, auch wenn meine Art der Musik etwas »heavy« ist. Alle in der Runde bestanden auch darauf, dass ich ihnen etwas von meiner Metalmusik vorspielte und äußerten sich nicht negativ. Ich war überrascht und freute mich, so viel Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen und lauschte gern den Geschichten der Anderen. Es war ein großartiger Nachmittag und ich muss gestehen, dass ich noch nie so viel Toleranz von anderen Generationen erfahren habe. Meine Pausen in den drei Stunden, in denen das MGH Mittagspause hat, verbrachte ich größtenteils am großen Tisch im „Wohnzimmer“ des MGH und lernte, hatte also auch Zeit das Haus zu erleben ohne Menschen. Hier herrscht schon ohne Menschen eine positive Energie, nichts Böses ist hier unterwegs, fast so, als würde auch das Haus selbst eine Pause machen. Ich bekam auch Besuch und lauschte Herrn Peters bei seinen Übungsstunden am Klavier. Auch er strahlt so viel Toleranz und Interesse aus, wie ich es nur selten erlebt habe. Frau Buck und Frau Punke nahmen mich mit ins Rathaus, stellten mich einigen Menschen aus dem Rathaus vor und ich erfuhr, dass hinter dem Mehrgenerationenhaus mehr steht, als „nur“ ein Haus in das viele Menschen strömen, es ist harte Abreit, auch hinter den Kulissen. Die Handarbeitsdamen lernte ich als fröhliche Runde von Omis kennen, welche zusammenkommen und gemeinsam Stricken, Häkeln und Nähen und das Schnacken und Lachen darüber hinaus nicht vergaßen. Unter ihnen war auch Zeynep, eine junge Frau mit türkischen Wurzeln, stets fröhlich hilfsbereit und strahlend. Auch mit ihr führte ich lange Gespräche über die Arbeit und das Leben im Haus und habe sie mittlerweile als gute Freundin schätzen gelernt und lieb gewonnen, sie gab mir Halt, wenn ich im MGH durch die Vielzahl und Vielfalt an Einflüssen überfordert war. Auch Petra Pape, die den Offenen Bereich organisiert, behandelte mich stets gleichberechtigt und mütterlich, genau wie Dorle Buck. Wenn ich Schwierigkeiten hatte oder mir etwas drohte über den Kopf zu wachsen, nahmen sie sich die Zeit und standen mir mit Rat und Tat zu Verfügung. Sieben Wochen war ich nun jeden Tag im Mehrgenerationenhaus und ich bin mir sicher, dass niemand in einem siebenwöchigen Praktikum so viel erleben kann wie ich es hier erlebte. Wir haben gelacht, ich habe geflucht, weil ich parallel zum Praktikum schwierige Klausuren zu bewältigen hatte und alle haben sich mit mir gefreut, als ich besagte Klausuren hinter mir hatte. Ich habe mich aufgehoben gefühlt. Die Menschen hier bilden eine große Familie. Alle kommen gern und genießen die Gesellschaft, genau wie ich. Es ist wichtig, flexibel und tolerant zu sein und das sind auch alle, die hier arbeiten oder das Haus besuchen, was ich selten erlebt habe. Alle sind aufgeschlossen und freundlich und stets bemüht, dass hier im Haus Harmonie herrscht. Ich kann also mit guten Gewissen sagen, dass die Konflikte zwischen den Generationen vollkommen unnötig sind, wenn alle einen Schritt aufeinander zugehen. Das habe ich hier im Haus gelernt. Meinen Wunsch, später im sozialen Bereich tätig zu sein, hat es bestärkt und verfestigt. P.S.: Herr Froelian, vergessen sie nicht, dass wir donnerstags für alle kochen wollen! Zurück |
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